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Bio

So wandel ich über die Scherbenfelder / Ich bin der Liebe treuer Feuermelder / Ich kann nicht aufhören von dir zu schwärmen / Lass mich mich mich an deinem Feuer wärmen , singt Julian Chudoba in Feuermelder auf der gleichnamigen, ersten EP der Band Hadern im Sternenhagel. Vier Zeilen, in denen bereits alles aufbrandet, was die Musik dieser Band ausmacht: Zerrissenheit. Taumeln zwischen Licht und Düsternis. Im Hässlichen das Schöne entdecken und im Schönen das Hässliche finden.

In ihren Texten erzählt die Band so sprachstark wie leicht vom Gewicht des Lebens. Julian Chudoba, Leo Wildfeuer und David Fleischmann sind tatsächlich und in der unprätentiösesten Bedeutung des Wortes: Romantiker. Oder, in ihren Worten: Scherbensammler. Dabei wälzt Julian Chudoba mit seinem schlageresk überzeichneten Gesang die wirklich großen Fragen vor sich her: Wann kommt die Liebe und wann geht sie wieder? An welchem Punkt genau kippt Mut in Übermut?

Hadern im Sternenhagel vermeiden das allzu Offensichtliche und suchen nach Licht und Liebe eher in düsteren Ecken: Der Opener der EP – Lampe Lampe – beginnt mit schwebenden, verhallten Klängen. Zu schleppenden Rhythmen zelebriert die Band schließlich die Helligkeit der Nacht, und das Musikvideo dazu ist so skurril, dass es einen schwindelt. Mit Feuermelder ist ein Song auf der EP, der komplett ohne Schlagzeug auskommt – und trotzdem durch und durch Pop ist. Während die drei anderen Songs von Jochen Naaf produziert wurden, dem Alleskönner in Sachen deutschsprachiger Musik (Bosse, Peter Licht, Maxim), trägt dieser Track die Handschrift des vielgelobten Elektrokünstlers Occupanther. Pochende Synthesizerklänge tragen einen voller Wärme durch diesen Track, der so kurz wie herzergreifend ist. Im Song Weißes Rauschen singt Julian Chudoba zu scheppernden Synthesizerklängen mehr bestimmt als flehend: Baby, bitte lass das Fragen sein / Ein echter Scherbensammler kommt nicht ohne Narben heim. Zum Schluss gibt es noch einen Appell, das Hinfallen ein bisschen leichter zu nehmen, im Scheitern auch das Schöne zu sehen: Zu basslastigen Klavierakkorden applaudiert die Band dem Narkoman, einem zum „schlimmen Sorgenkind“ Gelabelten, der es schafft, Verlieren zu genießen / Genießen zu verlieren.

Mit ihren weit gespannten Melodien, ihren sprachsinnigen Texten, getrieben von der Liebe und einem Gefühl für Widersprüche, zielen Hadern im Sternenhagel direkt ab aufs Herz - ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, dies zu verschleiern. Das hier ist kein Diskurspop. Das ist Weltschmerz, der unterhalten will.

Text: Kristin Amme

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